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Fichtenholz als Kaminholz – Geschichte, Eigenschaften und Ratgeber

fichtenzweige von fichtenKaum eine andere Holzart als Fichtenholz hat die letzten zwei Jahrhunderte in Deutschland und Europa so geprägt. Nachdem im Mittelalter die Waldflächen drastisch reduziert wurden, begann die Aufforstung mit Fichtenmonokulturen. Diese sind nach heutigem Wissensstand alles andere als ideal. Doch nun ist die Fichte plötzlich der Baum des Jahres 2017. Wie passt das zusammen?

Fichten sind für uns quasi das Synonym für Nadelbaum, denn Hunderte Jahre mittelalterliche und industrielle Abholzung natürlicher Mischwälder und die Pflanzung von Fichten-Monokulturen haben nicht nur in den deutschen Wäldern ihre Spuren hinterlassen, sondern auch in unserem Kopf. Viele unserer deutschen Mittelgebirge und die meisten anderen ausgedehnten Waldflächen sind nach wie vor durch die Fichte dominiert. Deshalb sollten die aufplatzenden Fichtenknospen, aus denen die leuchtend grünen und zarten neuen Nadeln jedes Jahr sprießen, allen bekannt sein. Auch den harzigen Geruch des Fichtenholzes kennt der ein oder andere vielleicht noch aus seiner Kindheit.

Uralte Fichten und Fichten-Monokulturen

fichtenholz als kaminholzDie Gattung der Fichten mit ihren zahlreichen Unterarten kommt ausschließlich in der nördlichen Hemisphäre vor und ist von Nordamerika, über Europa bis nach Asien zu finden. Bei uns (und auch in Asien) ist die sogenannte gemeine Fichte heimisch. Es gibt keine anderen natürlichen Fichtenarten in Europa. Dennoch hätte die Fichte auf natürlichem Weg nur eine sehr geringe Verbreitung erfahren. Durch massive Anpflanzungen – vor allem durch den schnellen Wuchs und damit die zügige Ernte – gibt es noch heute fast drei Millionen Hektar Fichtenwald in Deutschland. Das sind 26% der gesamten Waldfläche. Damit ist Fichtenholz einsamer Spitzenreiter über alle Baumarten, ob Laub- oder Nadelholz, hinweg.

Geologisch wird angenommen, dass Fichten über 50 Millionen Jahre alt sind. Damit ist zwar nicht klar, ob noch Dinosaurier durch Fichtenwälder gestampft sind, da sie vor etwa 65 Millionen Jahren ausgestorben sind, aber ausgeschlossen ist es nicht. Das ist ein stolzes Alter, auch im erdgeschichtlichen Sinne. Die älteste noch lebende Fichte wurde angeblich im Jahr 2008 in Schweden gefunden. Das Wurzelholz dieses Baumes ist auf ein Alter von über 9500 Jahren datiert worden.

Dass die Fichte zum Baum des Jahres 2017 gewählt wurde, zeigt ihre anhaltende Bedeutung. Aus heutiger Sicht mögen viele Menschen die Fichten-Monokulturen als hässlich und schädlich empfinden, dennoch ist die Fichte der Baum, der die Wiederbewaldung Deutschlands erst möglich gemacht hat. Seit dem Mittelalter wurden unsere Wälder in einem Maße abgeholzt, wie sie sich niemals natürlich hätten regenerieren können. Mit dem großangelegten Bepflanzen von Fichtenwald wurde vor 300 Jahren aus der Not eine Tugend gemacht. So war in Zeiten von Hunger und Kälte Holz schneller als üblich nachgewachsen und ganze Generationen von Familien lebten von der Forstarbeit.

Fichtenholz für den Kamin

fichtenholz scheite als kaminholzFichtenholz ist sehr beliebt, nicht nur als Kaminholz. Es wird in günstigen Möbeln verarbeitet, im Baugewerbe benutzt und sogar im Instrumentenbau verwendet. Für Öfen und Kaminöfen ist Fichtenholz sehr gut als Anzündholz geeignet, denn es brennt äußerst schnell an. Leider brennt es auch fast genauso schnell ab. Für offene Kamine können wir Fichtenholz nur bedingt empfehlen, da das enthaltene Harz zu Glutspritzern und regelrechten kleinen Explosionen führt. Wenn es dennoch als Kaminholz herhalten soll, empfehlen wir eine vergrößerte Feuerschutzunterlage oder Feuerschutzscheibe. Es gilt Abstand zu halten.

Für geschlossene Öfen und Kaminöfen kann Fichtenholz trotz der hohen Nachfrage ein sehr preiswerter Ersatz für Buchenholz oder Birkenholz sein. Schließlich ist das Angebot an Fichten in Deutschland riesig. Aufgrund des vergleichbar eher niedrigeren Brennwerts pro Raummeter (RM) benötigen Sie mehr Lagerplatz für die gleiche Menge an Heizenergie. Mit einem Garten oder einem großen Lagerregal ist das aber meist unproblematisch und der Preivorteil lohnt sich richtig, wenn Sie Fichtenholz kaufen.

fichtenholz zapfen als kaminholzZurückhaltend berechnet hat Fichtenholz einen Brennwert von 4,3 kWh pro Kilogramm, jedoch nur 1400 kWh pro Raummeter. Das ergibt sich durch die vergleichbar geringe Dichte, die aber auch zu sehr guten Anzündverhalten führt. Fichtenholz gibt es quasi überall zu kaufen. Kurzzeitige Angebotsengpässe wie bei Buchen oder Eichen sind unüblich und überregional wird sowieso fast jede Holzart geliefert.

Ein kleiner Hinweis sei zum Schluss erlaubt. Viele Menschen – gerade aus der Generation unserer Großeltern – schwören auf Fichtenzapfen zum Anzünden von Kaminöfen und Öfen. Getrocknete Fichtenzapfen haben einen exzellenten Brennwert und bringen jedes Buchenholz-Feuer in Schwung. Leider gibt es kaum kommerzielle Anbieter für Fichtenzapfen, sodass Sie diese nicht so einfach bestellen können. Aber Mutter Natur bietet im Sommer die Möglichkeit, die herunter gefallenen Zapfen des vergangenen Jahres kostenlos im Wald einzusammeln. Die frische Waldluft und etwas Bewegung tun Ihnen dabei auch noch etwas Gutes.

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