Skip to main content

Herstellen von Kaminholz – Von der Ernte bis zum Ofen

Kaminholz erfreut sich größter Beliebtheit bei allen, die umweltschonend Heizen, die heimische Holzwirtschaft fördern oder einfach gerne ein paar Euro sparen möchten, anstatt sie in die Taschen der großen internationalen Öl- und Gaskonzerne zu stecken. Deswegen werfen wir hier einen Blick auf die Frage: Wie funktioniert eigentlich das Herstellen von Kaminholz?

Wenn man ofenfertiges Kaminholz geliefert bekommt, stellt man sich meist nicht direkt die Frage, wie dieses eigentlich entstanden ist. Interessant ist das Thema dennoch allemal. Daher geben wir hier einen kurzen Einblick in das Herstellen von Kaminholz in fünf Schritten. Vom Pflanzen des Sprosses bis zum Anzünden des Ofens.

Pflanzen des Sprosses oder Jungbaums

Fichten-Spross zum Herstellen von KaminholzIn der modernen Forstwirtschaft wird typischerweise jeder gefällte Baum durch eine Neupflanzung ersetzt. Manchmal geschieht das in größerem Umfang auf hektargroßen Flächen, häufiger noch werden Baumbestände sukzessiv durch das Bepflanzen von Sprossen oder Jungbäumen verjüngt. Um Verbiss der Sprösslinge zu verhindern, werden diese häufig in Baumschulen vorgezogen, unter Umständen dort sogar schon umgepflanzt, um sie zu stärken und dann als Jungbäume ausgepflanzt. Das erhöht die Überlebenschance in der Natur ist aber auch ungleich teurer. Forstbetriebe setzen dabei unterschiedliche Methoden zur Verjüngung des Waldes ein, manchmal je nach Baumart auch Mischformen.

Wachstumsphase und Pflege

Auch wenn die Wachstumsphase in diesem Beitrag nur wenige Zeilen ausmacht, ist es die Phase beim Herstellen von Kaminholz, die ohne Frage am längsten dauert. Je nach Baumart wächst der Baum einige Jahrzehnte, bis er geerntet werden kann. Kaum ein Baum wird unter einem Alter von 80 Jahren gefällt, wenn er gesund ist. Häufig sind Bäume noch älter. Das sollten Sie sich vor Augen führen. Das Holz, das wir heute verbrennen, wurde im Regelfall vor mindestens vier Generationen angepflanzt. Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass das Holz, welches wir heute pflanzen, frühestens von unseren Ur-Ur-Enkeln verbraucht werden wird. Daher ist unsere Verantwortung für eine nachhaltige Forstwirtschaft umso größer beim Herstellen von Kaminholz. Was wir heute versäumen, müssen viele Generationen nach uns ausbaden.

Gewachsenes Fichtenholz zum Herstellen von KaminholzDas heißt auch, dass Holz, das heute geerntet wird, von vielen Generationen Waldarbeitern gepflegt wurde. Baumbestände müssen ausgedünnt werden, damit die Pflanzen genug Licht und Nährstoffe bekommen. Das kann bedeuten, dass natürliche Sprösslinge zugunsten von gezielt gepflanzten Jungbäumen weichen müssen. Kranke Bäume müssen entfernt werden. Schädlinge wie der Borkenkäfer müssen bekämpft werden, sonst kann die Arbeit ganzer Generationen vernichtet werden. Auch der Boden bedarf der stetigen Überprüfung und Pflege. Wird er beispielsweise zu sauer, so muss er gekalkt werden. Gerade bei Monokulturen kommt das häufiger vor, aber auch die Einflüsse von industriellen Abgasen und andere Umweltgifte beeinflussen den Waldboden.

Alles in allem findet hier eine Menge Arbeit über viele Jahrzehnte statt, über die man sich meist keine Gedanken macht, wenn man einen Baum in einem Kulturwald sieht oder ofenfertiges Kaminholz nach Hause geliefert bekommt. Am Ende steht ein gesunder Wald mit groß gewachsenen Bäumen, die zur Ernte bereit sind.

Fällen des Baums und Verarbeiten des Holzes

Fällung eines Baums zum Herstellen von KaminholzDas Fällen des gewachsenen Baumes ist der Teil mit dem die eigentliche Herstellung von Kaminholz beginnt. In den meisten Fällen ist das ein kurzer Prozess. Ob der Selbstwerber mit Fällschein oder professionelle Forstarbeiter Hand anlegen, macht dabei fast keinen Unterschied. Die richtige Technik beugt Gefahren vor, weshalb entweder eine berufliche Ausbildung als Forstarbeiter oder mindestens ein Motorsägenschein vorhanden sein muss. Der über Jahrzehnte gewachsene Baum fällt dann meist innerhalb von einigen Minuten Arbeit. Er wird anschließend von Ästen, manchmal auch direkt von seiner Borke befreit und eventuell in Längen zwischen zwei und drei Meter zurecht geschnitten. Danach erfolgt der Abtransport und die Weiterverarbeitung zu Hause oder im Forstbetrieb.

Die moderne Forstwirtschaft setzt bei der Holzernte zunehmend auf Maschinen. Das bedeutet, nicht nur Motorsägen werden da eingesetzt, wo noch vor hundert Jahren händisch gesägt wurde, es werden sogar große Holzernte-Maschinen – sogenannte Holzvollernter – eingesetzt. Diese auch Harvester genannten Fahrzeuge sind schwere Maschinen, die alle genannten Schritte der Holzernte in einem Arbeitsgang und vor allem ohne Handarbeit vollziehen. Neben dem zeitlichen Gewinn ist der größte Vorteil dieser Maschinen die erhöhte Arbeitssicherheit für Waldarbeiter. Durch Schutzkleidung und Sicherheitsvorschriften hat sich der Arbeitsschutz sowieso schon deutlich erhöht, aber Harvester sind das höchste Level der Sicherheit. Seit diese in den 90er-Jahren erstmals zum Einsatz kamen, hat sich die Unfallzahl erneut stark reduziert. Viele Menschen bemängeln die Schäden am Waldboden genau wie Flora und Fauna darin, die die Großmaschinen anrichten. Diese Kritik ist berechtigt, aber definitiv haben Harvester auch Menschenleben gerettet.


Lagern des Stammholzes

Nachdem das zugeschnittene und noch frische Stammholz abtransportiert ist, wird es typischerweise auf speziellen Lagerplätzen im Wald, in Forstbetrieben oder auf dem heimischen Grundstück gelagert. Die Lagerung dauert je nach Holzsorte in etwa ein bis zwei Jahre. Es sollte in jedem Fall ein Winter dabei sein, denn die trockene kalte Luft entzieht dem Holz sehr viel Feuchtigkeit. Außerdem können Wettereinflüsse positiven Einfluss auf die Verringerung von Gerbstoffen (z.B. bei Eichenholz) haben.

Lagerung von Holz zum Herstellen von KaminholzDie Lagerung ist essenziell und nicht abgelagertes Holz darf vom Gesetzgeber aus in keinem Fall in einem Kamin oder Kaminofen verbrannt werden. Der hohe Wassergehalt führt zu einer schlechten Verbrennung im Ofen und zu erhöhtem Schadstoffausstoß, der die Umwelt unnötig belastet. Außerdem werden Sie keinen Spaß am Verbrennen von zu feuchtem Holz haben, denn es ist weder schön anzusehen, noch effizient. Der deutlich geringere Brennwert führt zu einem unnötigen Mehrverbrauch, belastet Geldbeutel und versottet den Schornstein. Wenn Sie sich selber für das Herstellen von Kaminholz interessieren, aber keinen Lagerplatz haben, können Sie auch bereits abgelagerte Stämme bei einigen Forstbetrieben kaufen. Der Preis liegt dabei meist nur marginal über dem von Frischholz.

Spalten zu Scheiten

Holzscheite nach dem Herstellen von KaminholzIst das Holz zwei Jahre abgelagert, kann es der Forstbetrieb oder der Selbstwerber in kleinere Abschnitte zersägen und in Scheite spalten. Manche Heim-Hersteller spalten das Holz auch bereits nach einem Jahr und lassen dann die Scheite vor der Verwendung noch ein halbes Jahr trocknen. Je nach Baumart ist das ein gangbarer Weg, um eine Feuchtigkeit von 20-25% zu erreichen. Wenn Sie nicht sicher sind, wie feucht ihr Holz noch ist, können Sie den Wassergehalt mit einem Messgerät selber messen. Diese Geräte sind meist für unter 20 Euro im Fachhandel zu kaufen. Selbst einige Discounter bieten sie regelmäßig im Angebot an.

Die gespaltenen und trockenen Scheite können Sie im freien bis zum Verbrennen lagern. Das geht auch im Herbst oder Winter, solange Sie eine Abdeckung über den Stapel legen und eventuell die Wetterseite extra schützen. Einmal getrocknetes Holz wird gut geschützt auch im Winter nur wenig an Feuchtigkeit zulegen. Wenn Sie das Holz vor dem Verbrennen dann noch ein oder zwei Tage in der Wohnung, eventuell sogar in Kaminnähe lagern, kann es bedenkenlos verbrannt werden. Selbstverständlich ist auch die Lagerung in einem Holzregal in trocken Kellerräumen, einem Holzschuppen oder anderen Räumen möglich.

Verbrennen im Kamin oder Ofen

Kaminfeuer nach dem Herstellen von KaminholzDer letzte und zugleich schönste Schritt ist das Verbrennen des Holzes in einem Kamin, Ofen oder Kaminofen. Wenn Sie Selbstwerber sind, können Sie Ihre Arbeit umso mehr genießen, wenn Sie wissen, dass Sie das Holz selber bereitet haben. Damit haben Sie Ihren Geldbeutel doppelt geschont und Ihre Fitness gesteigert. Aber auch wenn Sie einfach ofenfertiges Holz gekauft haben, können Sie sich vor der wohligen Wärme Ihren Ofens entspannen. Das Ganze mit dem Wissen, etwas Geld gespart und die Umwelt geschont zu haben.

  1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 5 Sterne 5 Sterne
 Bewertung dieser Seite: 4.78 von 5 (36 Bewertungen)